Emre Erdogan erzielte für die Junglöwen im Hinspiel kurz vor Schluss den Siegtreffer in einer engen Partie. Foto: Markus Burger
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U21 gibt Führung aus der Hand und verliert 2:4 in Gundelfingen

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Jubiläums-Trikot „60 Jahre Deutscher Meister“ fürs NLZ

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Hertha BSC gewinnt erstmals den LÖWENCup

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U17 kann noch gewinnen: 4:1-Erfolg bei der SpVgg Unterhaching

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Xaver Lippmann (Mitte) bereitete den ersten Löwen-Treffer per Freistoß vor, den zweiten erzielte er mit einer Direktabnahme. Foto: Markus Burger
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28.07.2008 - Das gibt es nicht alle Tage. Vier Spieler eines Clubs werden Europameister und allesamt entstammen einem Nachwuchsleistungszentrum eines Zweitligisten. Vielleicht ist dieser erste Titel des DFB nach 16 Jahren der offizielle Beleg der deutlich verbesserten Nachwuchsarbeit im Land des aktuellen Vize-Europameisters und WM-Dritten.

1992 war es u.a. Lars Ricken, der mit der U16 den letzten offiziellen Titel für den deutschen Fußballbund gewann. Bei den A-Junioren muss man sogar bis 1981 zurückgehen. Damals im Team des Europameisters u.a. mit dabei: Anton Schmidkunz, ein ehemaliger Junglöwe vom TSV 1860, der es dann allerdings mit Ausnahme des U20-WM-Titels nicht mehr zu großer Bekanntheit außerhalb Münchens gebracht hatte. Da dürfte die Zukunft der vier aktuellen Europameister der Löwen bedeutend mehr hergeben. Aber U19 ist nicht Herrenbereich und deswegen wird es auch Aufgabe der Löwenverantwortlichen sein, früh und deutlich Warner zu spielen für ein überaus erfolgversprechendes Quartett talentierter Kicker.

Die vier Junglöwen entstammen der beinahe schon legendären 89er-U16, die eine der souveränsten und für die Löwen 2006, deren erste Deutsche Meisterschaft einfahren konnten. Dies sind: die Zwillinge Lars und Sven Bender, zusammen bereits mit der Erfahrung von 68 Zweitligaspielen, wohlgemerkt als A-Junioren, sowie Timo Gebhart, dem Kicker-Spieler des Tages beim Finale und Florian Jungwirth, den wohl demnächst neben einem Profivertrag auch ein Debüt im Zweitligateam des TSV 1860 erwartet. Außerdem stand noch ein Ex-Junglöwe im deutschen Team, der insgesamt fünf Jahre an der Grünwalder Straße ausgebildet worden war, ehe er im Alter von 15 Jahren nach Italien zu Brescia Calcio gewechselt war: Savio Nsereko.

Der Erfolg hat bekanntlich mehrere Väter. So dürften sowohl Horst Hrubesch, ehemaliges Kopfballungeheuer als DFB-U19-Chefcoach ebenso dazugehören wie Matthias Sammer. Der DFB-Sportdirektor fordert die richtige Einstellung und dazu gehört für ihn auch das Erlernen und Umsetzen der Siegermentalität. Dass die deutsche U19 dies, wie kaum ein Team zuvor, auszeichnete, wird ebenso in positiver Erinnerung bleiben, wie die souveräne Art und Weise des Titelgewinns im tschechischen Jablonec. Drei Siegen in der Vorrunde (2:1 gegen Titelverteidiger Spanien, 3:0 gegen Bulgarien sowie 2:1 gegen Ungarn) folgte ein 2:1 in der Verlängerung gegen Gastgeber Tschechien sowie das 3:1 im Finale gegen Italien. Dabei waren die Spieler des TSV 1860 in nahezu allen Partien die "Säulen des Teams".

Timo Gebhart ragte zu Beginn und im Finale heraus, wo er an allen Treffern beteiligt war, zwei vorbereitete und eines, das 3:1 und damit die Vorentscheidung per Kopf, selbst erzielte. Savio Nsereko war im Finale gesperrt. Aus Glück über den späten Siegtreffer im Halbfinale hatte der gebürtige Ugander beim Jubeln das Trikot ausgezogen und damit die zweite gelbe Karte im Turnier kassiert. Warum hier nicht wie bei der Herren-EM vor wenigen Wochen die Karten der Vorrunde wieder gestrichen werden um die besten Spieler im Finale zu sehen, wird das Geheimnis der UEFA bleiben.

Superlativen hatten die Junglöwen während der EM in den deutschen Gazetten genug gesammelt. "Löwen prägen die U19" schrieb die Berliner Zeitung und "1860 Deutschland" titelte die Süddeutsche ihre Berichterstattung. Und auch auf UEFA.com, der EM-Page, gab es großes internationales Lob für "vier Spieler der Münchner Löwen in der siegreichen Mannschaft - ein guter Beleg für die herausragende Jugendarbeit des Zweitligisten". Knapp zwei Millionen Euro geben die Löwen für ihre Nachwuchsarbeit aus. Was für einen Zweitligisten, immerhin im nunmehr fünften Jahr, eine ganz enorme Anstrengung bedeutet. Angesichts des Erfolges und der Topwerte, die Jahr für Jahr erzielt werden, gehört der TSV 1860 zu den Top-Ausbildungsclubs Deutschlands. Die drei Sterne, die die Löwen Anfang des Jahres für ihr Nachwuchsleistungszentrum erhielten, spiegeln diese enormen Anstrengungen wider. Manager Stefan Reuter spricht von "konsequenter Förderung des Jugendfußballs, mit dem der TSV 1860 wieder ein eigenes Profil bekommen habe". In der Profimannschaft des Traditionsclub aus Giesing stehen 12 Akteure, die der eigenen Jugend entstammen. In zehn Jahren haben 37 Kicker den Sprung in den Profibereich geschafft. "Später in der Profimannschaft spielen zu können, nirgends ist die Wahrscheinlichkeit so hoch wie bei 1860" preist Welt- und Europameister Reuter die Vorzüge.

1860-Chefcoach Marco Kurz meinte, "die Spieler haben Geschichte geschrieben". Gleich nach dem Empfang am Trainingsgelände gab er seinen Spielern eine Woche frei. Durchschnaufen und noch kurz dem Erfolg nachhängen bevor der Alltag die Jungs wieder einfängt. Ein Extra-Lob schickte Horst Hrubesch bereits während der Woche nach München als er zur Abstellung der Kicker meinte: "es ist vorbildlich, wie bei 1860 gearbeitet wurde und wird". Einen Extra-Dank schickte er an Stefan Reute rund Marco Kurz, wohlwissend, dass die frischen Europameister voraussichtlich den Auftakt der zweiten Liga wegen dieser EM verpassen werden.

Außergewöhnlich ist auch, dass die vier Europameister bereits relativ jung an die Grünwalder Straße kamen. So waren die Benders 2002 zwölf Jahre alt als sie über den Umweg Unterhaching von Brannenburg nach München wechselten. Timo Gebhart war 15 als er von Memmingen zu den Löwen kam und Florian Jungwirth trug seit dem E-Juniorenalter viele Jahre das blau-weiße Trikot mit der Stadtsparkassenwerbung auf der Brust nachdem er von Karlsfeld zu den Löwen wechselte. Neben dem Goldpokal kann Jungwirth künftig auch noch auf eine ganz persönliche Ehrung blicken. Am 20. August erhält er in Nürnberg die Fritz-Walter-Medaille in Silber. Nach den Bender-Zwillingen (Gold für Lars, Bronze für Sven), und Alexander Eberlein (Silber), allesamt 2006 ausgezeichnet, ist er der vierte Junglöwe, der damit neben seiner sportlichen Leistung auch für sein vorbildhaftes Verhalten außerhalb des Spielfeldes geehrt wird. Für Ernst Tanner, den Leiter des Nachwuchsleistungszentrums beim TSV 1860, nur eine allzu logische Konsequenz einer Entwicklung, die Florian auch bei der Europameisterschaft bestätigte. Für Tanner war Jungwirth "der cleverste und abgeklärteste Spieler des gesamten Turniers - mit einer einzigen Ausnahme" wie er einräumte. Er spielte dabei auf die 36. Minute des Finales an, als Jungwirth, zwei Minuten zuvor bereits verwarnt, vorzeitig vom Platz ging. Doch nicht zuletzt waren es vor allem auch seine Teamgefährten bei den Löwen die dieses Missgeschick wieder gerade bogen. Auf der Tribüne hatte Jungwirth bange Minuten zu überstehen. Nach dem Spiel meinte der Kapitän abgeklärt: "Wir haben exzellente Spieler in der Nationalmannschaft, nicht nur die von 1860. Wir hatten heute auch fünf Spieler von Bayer Leverkusen auf dem Platz, aber mir ist völlig egal, für welchen Klub die Jungs spielen - sie haben heute bewiesen, dass sie die besten Spieler und das beste Team in Europa sind."

Ein Grund mehr, die Nachwuchsförderung der Löwen eigens zu erwähnen. Legen Sie doch neben dem Sport auch in der Persönlichkeitsbildung einen Schwerpunkt. So gesehen, ist die Forderung des DFB-Sportdirektors, nach mehr Siegermentalität für 1860 nicht mehr neu. Deutsche B-Junioren-Meisterschaft 2006, Deutscher A-Junioren-Pokal 2007 und nun Fußball-Europameister 2008. Jetzt muss dieses Gen, dass die vier Junglöwen bereits intus haben, nur noch die Profis erreichen. Dann wird der Traditionsverein noch viel Freude mit seinem sehr gut ausgebildeten Nachwuchs haben. Allerdings müssten die Löwen dann auch die Millionen-Offerten, die für Spieler wie Timo Gebhart und die Benders nun kommen könnten, abweisen. Auch das gäbe es nicht alle Tage.

wh